Wer bezahlt globale Gesundheit?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stand während der COVID-19 Pandemie der letzten Monate im Zentrum der Aufmerksamkeit wie selten zuvor. Und vor allem zwei Aspekte fielen dabei ins Auge, wie läuft die Finanzierung der WHO und wer hat wieviel Einfluss auf das Handeln der größten globalen Einrichtung für globale Gesundheit. 

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generalsekretär der WHO

Um diesen Frage auf den Grund zu gehen, muss man sich vielleicht zuerst bewusst machen, dass das Gesamtbudget der Organisation überraschend gering ist. So standen für den Zeitraum 2018/19 rund US$ 4,42 Milliarden zur Verfügung, dies entspricht etwa dem Budget des Genfer Universitätskrankenhauses. Nur etwa 15-20% sind dabei die festgelegten Beiträge der Mitgliedstaaten, der Rest sind freiwillige Zahlungen (entweder von Staaten oder anderen Organisationen. Die Crux an den freiwilligen Zahlungen ist allerdings, dass diese nur selten (in etwa 4%) zur freien Verfügung stehen, sondern meist an bestimmte Projekte oder Schwerpunktthemen geknüpft sind  Die Handlungsfähigkeit der Organisation wird dadurch mitunter stark eingeschränkt. Wie das Geld auf die verschiedenen Bereiche verteilt wird könnt ihr in der Graphik einsehen

Doch wer sind nun eigentlich die größten Geldgeber? 

Hier führen momentan noch die USA. In der Liste der 10 größten Geldgeber finden wir außerdem aber nur noch drei weitere Staaten und die Europäische Kommission, während sonst vor allem Philanthropische Organisationen, wie die Bill und Melinda Gates Stiftung, die Nase vor haben.  

Die starke finanzielle Beteiligung von privaten Stiftungen kann man dabei als Fluch und Segen zugleich sehen. Denn ohne die starken finanziellen Zuwendungen könnte die WHO viele ihrer Projekte kaum umsetzen, andererseits besteht natürlich auch die Gefahr privater Einflussnahme auf die Prioritätensetzung in der globalen Gesundheit und wirft immer wieder Fragen zur Unabhängigkeit der WHO aus. Ein Dilemma, dass ohne verstärkte Präsenz der Mitgliedstaaten kaum lösbar ist. 

Gerade diese Unterstützung beginnt nun aber zu bröckeln und somit auch die gesamte Finanzierung der WHO. So verkündete US-Präsident Trump zuerst eine Pause der amerikanischen Zahlungen, später sogar, die Beziehungen der USA zur WHO komplett beenden zu wollen. Damit könnten der Organisation rund 20% ihrer Einnahmen verloren gehen – und die Bill und Melinda Gates Stiftung zum größten Geldgeber der WHO aufsteigen.
Trump begründet sein Vorgehen mit einer angeblich zu starken Abhängigkeit der WHO von China und wolle daher unter Umgehung der WHO direkt in ausgewählte Global Health Projekte investieren. Dies würde allerdings einen weiteren Rückschritt für Multilateralismus und gemeinsame Prioritätensetzung bedeuten. Für die USA selber hieße das auch, sie könnten sich nicht mehr am globalen Agendasetting beteiligen, und würden damit wahrscheinlich eher an Einfluss verlieren. Zumindest bisher gab es allerdings noch keine offizielle Benachrichtigung der USA an die WHO eines möglichen Austritts, sodass hier wohl nicht mit baldigen Konsequenzen zu rechnen ist.
Dennoch werden Trumps Bestrebungen sowohl von anderen Staaten, als auch von der Zivilgesellschaft hart kritisiert. Mitten in einer Pandemie sei es nicht der richtige Zeitpunkt für Drohungen in Richtung der koordinierenden Gesundheitsorganisation. Zumal das Handel der WHO in der aktuellen Situation auf den internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR) gründet, welche von allen Mitgliedstaaten inklusive den USA gemeinsam ausgearbeitet wurden. Politische Gründe, eine Ablenkung von der desaströsen innenpolitischen Situation und der Konflikt mit China spielen hier wahrscheinlich eine größere Rolle, als die konstruktive Kritik an der Weltgesundheitsorganisation.  

Deutschland wählt daher einen ganz anderen Weg, sicherte der WHO in den letzten Tagen mehr als 500 Millionen Euro zu und verurteilt nationale Alleingänge. Auch andere Länder bestätigten in den letzten Wochen immer wieder ihre Unterstützung zur WHO, so dass die COVID-19 Pandemie möglicherweise auch eine Chance für die zukünftige Finanzierung der globalen Gesundheit darstellen kann. 

Die WHO ist sicherlich nicht perfekt organisiert und finanziert, andererseits stellt sie eine unverzichtbare Institution für die Verbesserung von globaler Gesundheit weltweit dar und sollte daher mehr von ihren Mitgliedstaaten unterstützt und legitimiert werden. Wir könnte die WHO gestärkt aus der COVID-19 Pandemie hervorgehen? Erste Ideen gibt es hier und hier.


Weiterlesen:

WHO- Corona Krise als Chance 

Offizielle Informationen zum WHO Budget: http://open.who.int/2020-21/budget-and-financing/gpw-overview
Hörtipp: Podcast des Bayrischen Rundfunks mit Anna Holzscheiter https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/dossier-politik/wie-handlungsfaehig-ist-die-who100.html