Wie der Klimawandel unsere Gesundheit beeinflusst

„Der Klimawandel ist die größte globale Gesundheitsbedrohung des 21. Jahrhunderts”

Hortin, R (2009). The climate dividend, The Lancet, Vol 373 https://doi.org/10.1016/S0140-6736(09)61994-2

Fünf Jahre sind vergangen, seit sich 195 Länder im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichteten, die globale Erwärmung „deutlich unter 2°C“ zu halten. Gleichzeitig waren die seitdem vergangenen Jahre die fünf heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen.[2]  

Doch wie genau macht die Klimakrise schon heute krank?

Die wohl offensichtlichsten spürbaren Auswirkungen sind die der Hitze auf unseren Körper. Der Lancet Countdown aus dem Jahr 2020 beschreibt, dass weltweit die Menschen mehr Hitzewellen-Ereignissen ausgesetzt sind. In den vergangenen 20 Jahren ist die mit Hitze verbundene Mortalität bei Menschen über 65 Jahren als eine besonders vulnerable Gruppe um 53,7 Prozent gestiegen, was im Jahr 2018 global gesehen zu 296.000 Todesfällen führte[2].

Auch in Deutschland ist diese direkte Folge des Klimawandels deutlich bemerkbar: in einer zweiwöchigen Hitzewelle im Sommer 2003 gab es 7000 frühzeitige Todesfälle. Ursache dafür ist die erhöhte Inzidenz von Herzinfarkten, Herzinsuffizienz durch Belastung des thermoregulatorischen und Herz-Kreislauf-Systems (starke Durchblutung der Haut → der Blutdruck sinkt) und Nierenerkrankungen aufgrund der Dehydrierung (Verlust von Elektrolyten und Wasser durch das Schwitzen → Exsikkose)[3]

Dies belegt auch eine Studie des Helmholtz-Zentrums München, die über den Zeitraum von 28 Jahren in den letzten Jahren ein erhöhtes, hitzeinduziertes Herzinfarktrisiko feststellen konnte.[4]

Weitere direkte Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen sind verursacht durch Extremwetterereignisse: Studien zwischen 2015 und 2020 konnten den Einfluss des Klimawandels bei 76 Überschwemmungen, Dürreperioden, Stürmen und Temperaturanomalien zeigen. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass in 114 Ländern die Tage, an denen Menschen einem sehr hohen oder extrem hohen Waldbrandrisiko ausgesetzt waren, zunehmen. Verglichen wurden dabei die Zeiträume von 2001 bis 2004 und 2016 bis 2019.[2] Dramatisch spürbar wurde dies bei den Waldbränden in Australien 19/20 und dem Feuer in Kalifornien im vergangenen Herbst.

Trotz des Pariser Abkommens im Jahr 2015 stieg der Kohleverbrauch von 2016 bis 2018 um 1,7 Prozent an. Die Gesundheitsbelastung durch die dabei entstehenden Stickoxide, den Feinstaub und Kohlenmonoxid[5] ist erheblich – jedes Jahr sterben mehr als eine Millionen Menschen infolge der Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke.[2] Besonders eindrücklich sind die gravierenden Folgen der Luftverschmutzung durch fossile Verbrennung bezogen auf die vulnerable Gruppe der Kinder: Zwei Milliarden Kinder atmen Luft über den WHO Grenzwerten ein und ca. 200.000 Kinder unter fünf Jahren starben 2012 an Erkrankungen, die in direktem Zusammenhang mit Luftverschmutzung  stehen.[6]

Zu den indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf unsere Gesundheit zählt die zunehmende Verbreitung von Vektoren, die als Überträger von Infektionskrankheiten wie FSME, Borreliose, West-Nil-Fieber, Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber, Zika, Malaria oder auch der Leishmaniose dienen können. So werden bis ins Jahr 2050 bis zu 500 Millionen Menschen mehr in Risikogebieten für Dengue-Fieber leben.[2] Durch ökologische Veränderungen haben sich die klimatischen Bedingungen für die Vektoren seit den 1950er Jahren rapide verbessert, sodass ihre globale Kapazität wie auf der Graphik verdeutlicht stetig ansteigt. 

Die Liste weiterer indirekter Folgen der Klimakrise ist endlos, neben der gefährdeten globalen Ernährungssituation[2]] löst der Klimawandel eine weiter zunehmende Migrationsströmung aus und könnte nach Berechnungen der Weltbank bis 2050 140 Mio. Menschen heimatlos machen[7]. Zwischen 145 und 565 Millionen Menschen werden – basierend auf den aktuellen Bevölkerungszahlen – in Zukunft von Überschwemmungen durch den Anstieg des Meeresspiegels bedroht.[2] Das Ausmaß der psychischen Belastungen durch die Flucht in einer solchen Größenordnung ist kaum vorstellbar.  

Vor dem Hintergrund der Coronapandemie als eine Folge der Klima- und Biodiversitätskrise ist es umso dringlicher, dass alle Mitarbeiter*innen des Gesundheitssystems sich ihrer Verantwortung gegenüber der planetaren Gesundheit als unabdingbare Voraussetzung für die menschliche Gesundheit bewusst werden. Was uns motiviert ist die Tatsache, dass viele erforderlichen Änderungen im Kampf gegen den Klimawandel nicht nur den gesundheitlichen Schaden verhindern, sondern die Gesundheit sogar aktiv fördern, denn viele Maßnahmen, die CO2 Emissionen einsparen, sind gleichzeitig gesundheitsfördernd. Beispiele dafür sind die aktive Mobilität durch Radfahren und eine pflanzenbasierte Ernährung.  So könnte durch den Effekt dieser „Co-Benefiits“ Klimaschutz die größte Chance des 21. Jahrhunderts sein, die globale Gesundheit wesentlich zu verbessern.[8]

Marie von Health4Future Würzburg, März 2021

[1] Hortin, R (2009). The climate dividend, The Lancet, Vol 373 https://doi.org/10.1016/S0140-6736(09)61994-2

[2] Watts, N. et al (2021). The 2020 report of the Lancet Countdown on health and climate change: responding to converging crises, The Lancet, Vol 397, https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32290-X  

[3] Mücke H., Litvinovitch J. (2020). Heat Extremes, Public Health Impacts, and Adaptation Policy in Germany. International Journal of Environmental Research and Public Health                                           

[4] https://www.helmholtz-muenchen.de/iap/service/news/news/article/46011/index.html  

[5] https://www.who.int/phe/news/clean-air-for-health/en/ 

[6] UNICEF, Clear the Air for Children, 2016                  

[7]https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltbank-klimawandel-koennte-140-millionen-menschen-heimat-kosten-a-1198918.html   

[8] Watts N. et al (2015). Health and climate change: policy responses to protect public health. The Lancet, Vol 386, https://doi.org/10.1016/S0140-6736(15)60854-6  

Graphik 1: https://edition.cnn.com/2017/09/07/us/golf-wildfire-trnd/index.html

Graphik 2: https://www.researchgate.net/figure/Changes-in-global-vectorial-capacity-for-the-dengue-virus-vectors-Aedes-aegypti-and-Aedes_fig14_337399110