Globale Ernährung und Gesundheit

You are what you eat – was wir an Essen zu uns nehmen beeinflusst in großem Maße unsere persönliche Gesundheit, das kriegt man oft von klein auf beigebracht. Dass unser Essen, bereits bevor es überhaupt auf unserem Teller landet, schon einen erheblichen Einfluss auf unser aller Gesundheit hat, ist oft nicht ganz so klar.  Ein großes Themenfeld von Planetarer Gesundheit ist die globale Ernährung und wie sich die Lebensmittelproduktion auf die Umwelt und damit auf unsere Gesundheit auswirkt.

Die Weltbevölkerung ist im letzten Jahrhundert fast exponentiell gewachsen. Durch Industrialisierung und neue Technologien haben wir es trotzdem geschafft, dass ein immer kleiner werdender Anteil der Menschheit hungern muss 1 – im Gegenteil, der Anteil der übergewichtigen Menschen ist in allen Teilen der Welt gestiegen und Übergewicht ist einer der größten Risikofaktoren für viele Erkrankungen und vorzeitigen Tod2. Die Lebensmittelproduktion ist also mit der Weltbevölkerung stark gewachsen.

Und das die Produktion steigen sollte, macht auf den ersten Blick auch Sinn: es gibt immer noch viele hungernde Menschen und in einkommensschwachen Länder stellt ein Mangel an Mikronährstoffen wegen einseitiger Ernährung immer noch ein großes Gesundheitsproblem dar4. Wir müssten also noch mehr Lebensmittel produzieren um die immer noch wachsende Bevölkerung zu ernähren – wäre es da nicht einfacher sich erst dem Transportsektor zuzuwenden und sich mit den Klimasündern Auto und Flugzeug auseinanderzusetzen?
  Wenn man sich aber den Daten der globalen Emissionen zuwendet, ergibt sich ein anderes Bild: ein Viertel der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase heute sind auf die Lebensmittelproduktion zurückzuführen3. Das ist ein größerer Anteil als der gesamte Transportsektor.

„Food is the single strongest lever to optimize human health and environmental sustainability on Earth.“

EAT Lancet Commission Report

Wenn man sich das Ernährungssystem und die individuelle Ernährung genauer anschaut, wird schnell klar, dass man hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: nachhaltigere Produktion um den Klimawandel zu verlangsamen und ausgewogene Ernährung für weniger Gesundheitsbelastungen. Genau diese beiden Ziele nennt auch die EAT-Lancet Kommission in ihrem Report und erarbeitete Ansätze, wie wir es schaffen können diese Ziele zu erreichen. Schauen wir uns zuerst an, wie sich die Produktion derzeit auf die Umwelt auswirkt:
 Landnutzung: Ein Drittel der Landfläche weltweit wird heute als Agrarfläche genutzt, das teilt sich wiederum in ⅔ Viehweiden und ⅓ landwirtschaftlicher Anbau auf. Hierfür werden Moore trocken gelegt und Wälder gerodet, was einerseits zur Freisetzung von gespeichertem CO2, andererseits auch zum Verlust von Lebensräumen von vielen Tieren und folglich zum Rückgang der Biodiversität5 führt.


Anbau: Der Anbau vieler Getreidesorten benötigt viel Wasser. Der weltweite Wasserverbrauch im Jahr 2010 lag zwar noch innerhalb der planetaren Belastbarkeitsgrenzen, doch laut aktueller Berechnungen wird sich dies bald ändern. Schlimmer sieht es beim Einsatz von Stickstoff und Phosphor aus: bei Beidem liegt die weltweite Nutzung bereits jetzt weit über dem, was unser Planet auf lange Zeit aushalten kann6.  (Falls du dich fragst: was sind Belastbarkeitsgrenzen?)

Nutztierhaltung & Fischerei: Nutztiere wie Schweine, Hühne und vor allem Kühe brauchen Platz, vor allem aber braucht ihr Futter viel Platz. 35% des angebauten Getreides wird für Nutztiere verwendet. Ein praktisches Beispiel: Zur Herstellung von 1 kg konventionellem Fleisch benötigt man ca. 8 kg Getreide. 1 kg Fleisch kann ca. fünf Menschen sättigen, 8 kg Getreide ca. 30 Menschen. 

Beim Fischfang werden vor allem aktuelle Fangmethoden immer wieder kritisiert, denn mit großen Netzen und Fangleinen werden nicht nur Fischbestände schnell dezimiert, sondern es kann bis zu 50% Beifang geben. Beifang sind “ungewollte” Tiere im Netz, wie Schildkröten oder Haifische, welche meist verletzt oder bereits tot wieder über Bord geworfen7

Essensverschwendung: Müll und vor allem Essensverschwendung stellt in allen Abschnitten der Lieferkette, vom Feld bis zum Verbraucher, ein Problem dar. Laut der FAO gehen ein Drittel aller Lebensmittel weltweit verloren oder werden weggeschmissen (food loss and waste)8. Für die ungenutzen Lebensmittel wird viel Energie in der Produktion und Transport (unnötig) aufgewandt und auch die Entsorgung (zB. Verbrennung) stellt eine Umweltbelastung dar.

Um die beiden erläuterten Ziele zu erreichen, hat die EAT Lancet Kommission auch mögliche Lösungsansätze erörtert.  Dabei geht es natürlich viel darum was in der Landwirtschaft, beim Fischfang oder in der Politik passieren sollte. Aber damit all diese Dinge passieren können, muss sich natürlich auch etwas auf den Tellern der meisten Menschen etwas ändern. Denn sowohl Ernährung als auch Gesundheit sind Themen, die jedem Menschen wichtig sind. 

Hierfür stellt die Kommission die Planetary Health Diet vor. Diese Ernährungsweise soll einem Menschen nicht nur alle Mikro- und Makronährstoffe in ausreichender Menge liefern und Krankheiten vorbeugen, sondern soll es auch ermöglichen, dass wir unsere Lebensmittelproduktion so umstellen können, dass sie zugleich nachhaltig ist und trotzdem die wachsende Weltbevölkerung versorgen kann.  Diese Ernährung basiert vor allem auf Gemüse und pflanzlichen Proteinen, Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind aber durchaus in moderaten Mengen erlaubt – allerdings wesentlich weniger als es derzeit in Industrienationen die Norm ist.

Wichtig ist es auch, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. sowohl bei der Produktion und im Supermarkt als auch im Privathaushalt. Praktische Tipps wie das ganz einfach geht findet ihr zB hier von der EU. 


Wir hoffen wir konnten euch einen kurzen aber breiten Überblick geben – man könnte Bücher zum Thema globale Ernährung und Gesundheit füllen!
Nachdem wir uns heute angeschaut haben, wie sich das aktuelle globale Ernährung direkt auf unsere Gesundheit auswirkt und wie es zu einem der größten Treiber des Klimawandel geworden ist, gibt es nächsten Monat darauf aufbauend einen Gastbeitrag zum Thema, wie genau sich der Klimawandel selbst auf die Gesundheit jedes*r Einzelnen auswirkt -> hier geht zum Artikel!

Eine Einführung zu „Planetary Health“ bekommt ihr in diesem Thema des Monats

Wie immer gibt’s noch eine Materialiensammlung zum weiterlesen und weiterlernen- viel Spaß beim Durchstöbern!

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